E-Commerce vs. stationärer Handel – Kann es nur einen geben?

15,6 Prozent mehr Umsatz verzeichnete der deutsche Versandhandel 2012 im Vergleich zum Vorjahr. Mehr als zwei Drittel davon werden im Internet generiert.* E-Commerce boomt. Doch was ist mit dem Ladengeschäft? Ziehen Online-Shops die Umsätze aus dem stationären Handel ab?

Ja, sagt eine Untersuchung des eWeb Research Center . Grund hierfür sind sicherlich die sich verändernden Einkaufsgewohnheiten der Konsumenten. So gingen die Kunden früher auch noch in den Tante Emma Laden, die heute weitgehend Discountern und Einkaufszentren gewichen sind. Das allerdings bedeutet nun nicht zwangsläufig, dass bald die Einkaufspassagen verwaisen werden und nur noch in Onlineshops gekauft wird.

Statt den einen oder anderen Vertriebskanal zu verteufeln, besteht die Herausforderung darin, eine intelligente Verknüpfung zwischen beiden herzustellen. Händler sollten sich den ROPO-Effekt (research online – purchase offline / research offline – purchase online) zu Nutze machen. Dass es diesen tatsächlich gibt, zeigte kürzlich erst Ernsting‘s Family.

So können Services angeboten werden wie z.B. online bestellen und im Ladengeschäft abholen, online geteaserte Aktionen, die im Ladengeschäft einen Vorteil bringen oder andersherum. Einige Beispiele:

◾Die Real-Märkte bieten an, die im Online-Shop bestellte Ware nicht nur nach Hause oder zur Packstation liefern zu lassen, sondern direkt in eine beliebige real,-Markt-Filiale. So können insbesondere Berufstätige von den längeren Öffnungszeiten profitieren und gleichzeitig den Kühlschrank mitauffüllen.
◾Jacques’ Wein-Depot verkauft auf seiner Website nicht nur Wein, sondern präsentiert auch seine Veranstaltungen und Seminare dort. Dies können via Mail oder Kontaktformular gebucht werden und kommt so schließlich in das Weingeschäft zum Verkosten und ggf. auch Konsumieren.
◾Notebooksbilliger.de, ein anfangs reiner Online-Player, eröffnete vor einigen Jahren ein Ladengeschäft. Durch Maßnahmen wie gleiche Preise On- und Offline, Anzeige stationärer Verfügbarkeiten im Web oder Abholung/Rückgabe im Shop ist hier eine sinnvolle Verknüpfung gelungen.
Deichmann wird im kommenden Monat in Bremen auf Postern einen QR-Code abbilden, nach dessen Einscannen die Kunden via Smartphone Schuhe shoppen können.

Es ist mehr denn je wichtig, den Kunden auf verschiedenen Wegen/Kanälen anzusprechen und sein individuelles Kaufverhalten zu bedienen. E-Commerce und Filialgeschäft können voneinander profitieren und den Gesamtumsatz steigern, wenn die Vorzüge jedes Kanals in einem Gesamtkonzept ausgespielt werden.

Stationäre Händler sollten sich nicht vom E-Commerce abschrecken lassen, nur weil sie Veränderungen im Ladengeschäft fürchten. Ganz im Gegenteil sie sollten sich ihre Nische und damit verbundene Marktanteile im World Wide Web sichern. Denn sie haben den entscheidenden Vorteil, dass sie ihre Zielgruppe kennen und bereits über Logistik, Warenwirtschaftssystem etc. verfügen. Im Gegensatz zu gänzlich neuen Marktteilnehmern, die nur auf das Online-Business fokussiert sind.



*Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (bvh)

http://www.bvh.info/presse/pressemitteilungen/details/datum/2013/februar/artikel/interaktiver-handel-2012-erneuter-umsatzrekord-e-commerce-anteil-ueberspringt-die-27-milliarden-eu/?cHash=414927e603391a6f8a4169811556ad0